| Bei Microsoft dreht sich alles um die Cloud |
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VDI-Nachrichten / Samstag, 31. Juli 2010 / 218 HITS Jahrzehntelang galt Microsoft als Inbegriff des lizenzbasierten Softwarevertriebs. Doch die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Microsoft-Chef Steve Ballmer trimmt den Konzern voll und ganz auf Cloud-Computing-Lösungen. „Cloud, Cloud, Cloud“, brüllte Microsoft-Chef Steve Ballmer den 10 000 Teilnehmern der diesjährigen Partnerkonferenz in Washington zu, als er die Bühne der fast voll besetzten Sportarena des dortigen Basketballvereins erstürmte. Laut Ballmer ist Microsoft bereits der weltweit führende Cloud-Anbieter. Hierzu addiert er alle Windows-Live-Anwender, alle Hotmail-Accounts, alle Microsoft-Update-User sowie die Sharepoint- und Azure-Gemeinde. Außerdem sei die Windows-Plattform das meistgenutzte Serversystem, wenn es um die Bereitstellung von Cloud-Services geht. Und die mit Disco-Nebel vollgepumpte Bühne war eine anschauliche Demonstration von Microsofts Cloud-Ansprüchen. Wie ernst es Ballmer damit ist, machte er dann später deutlich: „Wer von euch auf die Cloud setzt, ist unser Partner, wer nicht, der …“, rief er vieldeutig seinen Businesspartnern zu. Und folglich hat sich bei ihm jetzt alles der Cloud-Strategie unterzuordnen. Dazu gehören auch die zukünftigen Slate-Computer. „Das sind Cloud-basierte Systeme“, lautet seine Beschreibung dieser Mini-Netbooks, die irgendwann einmal eine Art iPad-Konkurrenz werden sollen. An dieser Stelle schaffte er dann endlich den entscheidenden Brückenschlag zu Microsofts früherer Produktverkaufsstrategie: „Cloud-Clients werden nicht dünner, sondern immer intelligenter bei den Smartphones und bei allen anderen webbasierten Endgeräten wird immer mehr interne Software und Rechenleistung gefordert und nicht weniger“, lautete seine Breitseite gegen die Thin-Clients und die Begründung für Microsofts neue wolkenhaltige Strategie. Parallel dazu veröffentlichte Microsoft bereits bemerkenswerte Cloud-Erfolge. So hat sich die Zahl der deutschen Unternehmen, die Microsofts professionellen Cloud-Dienste anwenden, innerhalb von nur drei Monaten verdreifacht. Rund 1500 Firmen nutzen jetzt die On-lineversionen von Exchange, Sharepoint oder Microsoft Communication. Auch für Microsofts Herzstück des Cloud Computing, der Azure-Plattform, gebe es in Deutschland bereits 10 000 Arbeitsplätze. Jon Roskill, seit 1. Juli Chef des Microsoft-Partnergeschäftes, bestätigt den Fokus: „Rund 70 % aller Mitarbeiter arbeiten bereits mehr oder minder an Cloud-orientierten Projekten und innerhalb der nächsten zwei Jahre wird dieser Anteil auf über 90 % ansteigen.“ Besonders interessant ist bei der Cloud-Euphorie von Microsoft, dass damit Geld aus dem Nichts entstehen soll. So sagen alle Microsoft-Manager, dass vor allem Kostengründe das Cloud-Interesse bei den IT-Managern geweckt habe. Dieses würde in letzter Konsequenz zu fallenden Umsätzen bei den Lieferanten führen – also auch bei Microsoft. Doch Bob Muglia, Microsofts President für Server & Tools, weist das weit von sich und glaubt nicht an eine Kannibalisierung des Produktumsatzes durch die neuen Cloud-Services. „Wir erreichen damit neue Zielgruppen und können neue Geschäftsbereiche aufbauen“, antwortete er auf Nachfrage. Bei den neuen Zielgruppen verweist er vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen, die sich mittels Cloud Computing neue Anwendungsbereiche erschließen können, beispielsweise Business Intelligence. Doch Matt Miszewski, der bei Microsoft für das Geschäft mit der öffentlichen Hand zuständig ist, ist da skeptisch: „Bei den Kommunen geht es bei Cloud-Anwendungen ganz knallhart um Kostensenkung die wollen mittels Cloud Computing die gleichen Bürger-Services für weniger Geld betreiben“, bestätigte er in einem Gespräch. Mit den neuen Geschäftsbereichen spricht Muglia vor allem die jetzt angekündigte Cloud-Appliance an, auf der Unternehmen ihre eigene Azure-Plattform installieren und betreiben können. Zu den technische Daten wurde noch nicht viel verraten, außer dass sie nur für Unternehmen mit mehr als 1000 Servern interessant sei. Damit positioniert sich Microsoft offensichtlich in Konkurrenz zu den Infrastrukturangeboten von Cisco und EMC. Beide Unternehmen konzentrieren sich laut Muglia zu sehr auf die Virtualisierung als Kernstück der Infrastruktur. „Kompatibilität, Skalierbarkeit und Betriebssicherheit sind die wichtigsten Fundamente für erfolgreiche Cloud-Installationen. Wir wissen das, denn wir sind in diesem Punkt selbst unser größter Kunde“, sagt Muglia. Den Aspekt des businessorientierten Supports sieht auch sein Kollege Stephen Elop als entscheidendes Verkaufsargument gegenüber Google und Amazon an. „Viele haben deren Angebote getestet und sind dann wieder zu uns zurückgekehrt, weil wir den Support bieten können, den ein Unternehmen benötigt“, sagte er in seiner Keynote und sprach dabei ganz konkret das Softwareunternehmen Serena an, das vor zwei Jahren gemeldet hatte, seinen E-Mail-Dienst auf Google umzustellen. |
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