| Videotelefonie über den Fernseher |
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Welt Online / Sonntag, 21. März 2010 Nicht jeder möchte in Jogginghose und Schlabberpulli auf dem Sofa gesehen werden, auch nicht bei Telefongesprächen. Daher hat sich Videotelefonie bislang nicht durchsetzen können. Andere Probleme wiegen mindestens ebenso schwer. Die Technik ist zu kompliziert, die Qualität der Verbindung oft miserabel, und die Preise für Hardware und Telefonverbindung sind exorbitant hoch. Diese Hindernisse wollen die größten Fernseher-Produzenten sowie der Telefonservice Skype mit neuer Technik noch in diesem Jahr aus dem Weg räumen. Damit reicht das Umschalten auf der TV-Fernbedienung aus, und der Zuschauer kann mit Tante Ilse am anderen Ende Deutschlands oder mit den Kindern in Australien plaudern - häufig kostenlos und über Videobilder auf dem Fernseher. Samsung hat mit Skype ausgestattete, internetfähige Fernseher ebenso für 2010 angekündigt wie Panasonic und LG Electronics. Ein Computer ist dafür nicht mehr notwendig, alles lässt sich über die Fernbedienung steuern, von der Anmeldung bei Skype bis zum Anwählen des gewünschten Gesprächspartners. Zwar kann die Skype-Software auch bei laufendem TV-Programm gestartet werden, gleichzeitiges Fernsehen und Telefonieren ist jedoch nicht möglich. Doch auch das könnte sich mit mehr Computertechnik in TV-Geräten ändern. Toshiba will noch in diesem Jahr neue Fernseher mit Cell-Prozessoren anbieten. Damit arbeitet die Flimmerkiste zehnmal schneller als herkömmliche Schreibtisch-Computer und 140-mal schneller als Flachbildfernseher. Die Computersteuerung verbessert nicht nur das Fernsehbild deutlich, verspricht Toshiba. Das TV-Gerät wird auch so flexibel sein wie ein Computer und zum Beispiel hochauflösende Videos kabellos empfangen können sowie parallel zum Fernsehen Telefongespräche oder sogar Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern und in hoher Ton- sowie Bildqualität ermöglichen. Doch schon in den neuen Samsung-, Panasonic- und LG-Modellen wird eine Skype-Software arbeiten, die Sprache ohne Verzerrungen und Bilder in dreifacher DVD-Auflösung lippensynchron wiedergibt. Anders als bei üblichen Systemen für Videokonferenzen sind die Preise für die Hardware moderat. Zwar steht der Preis für die Freetalk-TV-Kamera, die im Skype-Onlineshop zu kaufen sein wird, noch nicht fest. Bereits verfügbare Webcams kosten jedoch zwischen 20 und etwas mehr als 100 Euro. Die neuen Webcams dürften sich am oberen Ende der Preisspanne bewegen. Die von LG und Panasonic angekündigten Modelle unterstützen aber auch die Auflösung eines "HD ready"-Fernsehers. Wie teuer die Fernseher mit integriertem Telefonservice sein werden, ist ebenfalls noch unbekannt. Die Panasonic-Modelle sollen angeblich zwischen 1000 und 2000 Euro kosten. Frei ist dagegen der zum Beispiel in den Samsung-Fernsehern installierte Dienst Internet@TV für den Webanschluss. Auch Videogespräche sowie Sprachanrufe von Skype-Nutzer zu Skype-Nutzer sind kostenlos. Weltweit haben sich immerhin schon einige Hundert Millionen Nutzer bei dem Dienst registriert.
Auch stehen vermehrt internetfähige Fernseher in den Wohnzimmern. In den USA kauft fast ein Drittel der Kunden TV-Geräte mit Webanschlussmöglichkeit. Damit können sie Internetradio empfangen, Videos aus Online-Archiven auf den Bildschirm laden und über Telefongespräche hinaus über Dienste wie Twitter, Google Buzz und Facebook miteinander kommunizieren. Viele dieser Dienste bieten schon oder künftig ebenfalls an, Gespräche über Video zu führen, ohne Computer, einfach vom Sofa aus. Dann muss nur noch das Wohnzimmer ein wenig aufgeräumt werden. |
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