Deutsche Unternehmen überdenken ihre Cloud- und End-User-Computing-Strategien (EUC) grundlegend. Das zeigen die Ergebnisse der „2026 State of Cloud Computing Survey“ von Parallels. Während im vergangenen Jahr vor allem Kosten und Komplexität im Fokus standen, rücken 2026 strukturelle Risiken stärker in den Vordergrund – allen voran die Angst vor Anbieterabhängigkeit.

Laut Umfrage sind 94 % der deutschen IT-Verantwortlichen besorgt, sich langfristig zu stark an einen einzelnen EUC-, Virtual-Desktop-Infrastructure- (VDI) oder Desktop-as-a-Service-Anbieter (DaaS) zu binden. Jeder Vierte (26 %) äußert dabei eine starke, 68 % eine zumindest deutliche Sorge. Besonders kritisch bewertet werden unklare Produkt-Roadmaps, mangelnde Planbarkeit sowie die Frage, wie tragfähig Support-Modelle in Zukunft noch sind.

„Im letzten Jahr wollten Unternehmen vor allem Kosten senken. In diesem Jahr geht es darum, strategische Fehlentscheidungen zu vermeiden“, sagt Prashant Ketkar, Chief Technology and Product Officer bei Parallels. „IT-Teams in Deutschland suchen nach Lösungen, die ihnen Automatisierung bringen, hybride Realitäten unterstützen und ihnen die Freiheit lassen, ihre Strategie bei Bedarf anzupassen.“

KI: Vom Hype zur pragmatischen Nutzung
Auch beim Thema Künstliche Intelligenz zeigt sich ein realistischerer Blick. Deutsche Unternehmen erwarten von KI vor allem konkrete Entlastung im Betrieb – nicht zusätzliche Komplexität. Die wichtigsten Einsatzszenarien aus Sicht der Befragten:

  • Automatisierte Fehler- und Problemerkennung

  • Automatische Updates und Patches für Anwendungen

  • Reduzierung des administrativen Aufwands im Tagesgeschäft

Gleichzeitig ist die Zahlungsbereitschaft begrenzt: Nur knapp ein Drittel der deutschen IT-Entscheider ist bereit, für KI-Funktionen einen Aufpreis zu zahlen. Das deutet auf einen klaren Wandel weg von experimentellen Pilotprojekten hin zu messbaren Effizienzgewinnen.

VDI-Betrieb wird zur Zeitfalle
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Der laufende Betrieb bestehender VDI- und DaaS-Umgebungen bindet erhebliche IT-Ressourcen. 95 % der deutschen Unternehmen verbringen ein bis zehn Stunden pro Woche mit der reinen VDI-Administration. 48 % benötigen sogar sechs bis zehn Stunden pro Woche. Als größte versteckte Kostenfaktoren nennen deutsche IT-Teams:

  • Security- und Compliance-Aufwand (52 %)

  • Schulungen und Einarbeitung von Fachpersonal (44 %)

  • Support- und Helpdesk-Aufwände (45 %)

Diese Belastung wirkt sich direkt auf strategische Entscheidungen aus: 55 % der deutschen Unternehmen sind aktuell aktiv auf der Suche nach einer neuen DaaS- oder VDI-Lösung. Die Mehrheit plant eine Umsetzung innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate.

Hybride und Multi-Cloud-Modelle setzen sich durch
Die Zeiten reiner Cloud-First-Strategien sind für viele deutsche Unternehmen vorbei. Stattdessen etabliert sich ein differenzierter Ansatz:

  • 42 % betreiben Multi-Cloud-Umgebunge

  • 31 % setzen auf hybride Modelle

  • 59 % erwägen aktiv, Workloads zumindest teilweise aus der Public Cloud zurückzuführen – vor allem aus Gründen der Kostenkontrolle, Planbarkeit und Datensouveränität

Letztere spielt in Deutschland eine besonders große Rolle: Ein Großteil der Befragten sieht rechtliche und regulatorische Anforderungen als strategischen Treiber für hybride Architekturen. Gleichzeitig nutzen bislang nur 11 % Technologien wie Browser Isolation, obwohl Web- und SaaS-Zugriffe weiter zunehmen. Das könnte ein Hinweis auf eine wachsende Sicherheitslücke in diesen Umgebungen sein.

Fazit: Flexibilität schlägt Versprechen
Die Cloud-Survey-Daten zeigen deutlich: Deutsche Unternehmen suchen keine „Alles-aus-einer-Hand“-Versprechen mehr. Gefragt sind offene Architekturen, hybride Einsatzmodelle und Lösungen, die Automatisierung ermöglichen, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen.

Über die Umfrage
Die „2026 State of Cloud Computing Survey“ von Parallels basiert auf einer internationalen Befragung von IT-Entscheidern aus den USA, Großbritannien und Deutschland. Die hier genannten Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die deutsche Teilstichprobe.

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