Die Nachhaltigkeitsplattform Watershed hat sich dazu entschieden, die eigene Emissionsdatenbank unter Open CEDA zu veröffentlichen. Mit Open CEDA wird eine länderspezifisch differenzierte Emissionsdatenbank öffentlich zugänglich gemacht, die globale Lieferketten realitätsnah abbildet. Sie ermöglicht fundiertere Analysen – und bildet damit die Basis für faktenbasierte Klimastrategien.
Die Datenbank deckt 148 Länder, 400 Industrien und 95 % der globalen Wirtschaftsleistung ab. Ziel ist es, eine entscheidende Datenlücke in der CO₂-Berichterstattung zu schließen und Unternehmen, NGOs, Forschungseinrichtungen sowie Behörden weltweit eine fundiertere Grundlage für Klimaentscheidungen zu liefern.
Relevante Klimadaten oft veraltet oder regional verzerrt
Zahlreiche Organisationen scheitern bislang an fehlendem Zugang zu aktuellen, qualitativ hochwertigen Emissionsdaten – mit spürbaren Folgen: Nachhaltigkeitsstrategien basieren häufig auf veralteten oder geografisch verzerrten Zahlen. Laut einer Siemens-Studie aus dem vergangenen Herbst erschwert der mangelnde Zugang zu Emissionsdaten die Dekarbonisierung in vielen Unternehmen.
Auch das Carbon Disclosure Project (CDP) gibt an, dass scheinbar 75 % der Unternehmen, die im Berichtsjahr 2023 an das CDP meldeten, Emissionsfaktoren verwenden, die unverhältnismäßig stark auf ein Land, häufig auf Großbritannien und USA, ausgerichtet waren. Das kann zu drastischen Fehlbewertungen in der CO₂-Bilanz führen.
Gerade für global agierende Unternehmen mit komplexen Lieferketten ist das ein Problem: In bestimmten Branchen können sich die Emissionen je nach Produktionsland um bis zu 70 % variieren. Fehlen länderspezifische Emissionsfaktoren, fehlt auch die Grundlage für eine präzise Berechnung von Scope-3-Emissionen – und damit für echte Fortschritte bei der Dekarbonisierung.
Ein Beispiel erklärt das Problem anschaulicher: Ein Unternehmen lässt in zwei Ländern dieselbe Menge Textilien herstellen – einmal in Bangladesch, einmal in Portugal. Ohne länderspezifische Emissionsdaten wird beiden Standorten womöglich derselbe CO₂-Wert zugeschrieben. In Wahrheit unterscheidet sich der Ausstoß aber deutlich – wegen unterschiedlicher Strommixe (Kohle vs. Windkraft), Produktionsbedingungen oder Transportwege.
Ohne präzise Daten wird falsche Klimabilanzierung zur Realität
„Bessere Daten führen zu besseren Entscheidungen“, sagt Christian Anderson, Mitgründer von Watershed. „Mit Open CEDA bieten wir allen Organisationen eine präzisere Grundlage für fundierte Klimamaßnahmen – unabhängig von Budget oder Standort. So schaffen wir eine Basis für weltweit vergleichbare Klimabilanzen und beschleunigen den Übergang zu einer klimaresilienten Wirtschaft.“
CEDA wird bereits von Hunderten von globalen Unternehmen wie Johnson & Johnson, Stripe und BBVA eingesetzt, und seine Wirkung zeigt sich in zahlreichen Branchen. Ein Watershed-Kunde konnte mithilfe von CEDA seine Emissionen in der Lieferkette um 30 % senken, indem er gezielt nachhaltigere Lieferanten in Mexiko, Kanada und Italien auswählte. Solche datenbasierten Umstellungen wären mit herkömmlichen, pauschalen Faktoren nicht möglich gewesen.
Stimmen von Open Ceda Partnern und Anwendern
An der Einführung und Nutzung von Open CEDA beteiligt sich eine Reihe von Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Finanzwesen unterstützen den Launch von Open CEDA und betonen dessen Potenzial für klimarelevante Entscheidungen.
Die Amazon Sustainability Data Initiative (ASDI) stellt Forschenden, Unternehmen und NGOs weltweit hochwertige Nachhaltigkeitsdaten kostenfrei zur Verfügung. Als Teil der Amazon Sustainability Exchange – einer Plattform mit Werkzeugen, Leitfäden und Programmen für Klimaschutz – will ASDI Innovationen beschleunigen und Kosten- sowie Zugangsbarrieren zu Umweltdaten abbauen.
„Der Zugang zu belastbaren Umweltdaten ist für Unternehmen in allen Branchen entscheidend, um sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen“, sagt Michelle Jolly, Director of Sustainability Solutions bei Amazon. „Die Exchange arbeitet daran, den Zugang zu Werkzeugen und Erkenntnissen zu demokratisieren. Durch die Integration von Open CEDA in ASDI tragen wir dazu bei, Hindernisse beim Zugang zu Emissionsdaten zu beseitigen – Daten, die Organisationen jeder Größe benötigen, um fundierte Nachhaltigkeitsentscheidungen zu treffen.“
Auch für den Finanzsektor ist der freie Zugang zu Emissionsfaktoren ein entscheidender Schritt: „Der Zugang zu (sekundären) Emissionsfaktordatenbanken ist für Finanzinstitute unerlässlich, um mit der Bilanzierung der Emissionen aus ihren Finanzaktivitäten zu beginnen und Lücken zu schließen, in denen keine Emissionsdaten verfügbar sind“, erklärt Arjun Ganguly von der Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF). „Die Entscheidung, die CEDA-Datenbank frei zugänglich zu machen, ist ein willkommener Schritt zur Unterstützung dieser Bemühungen, da sie die Hürden für Finanzinstitute weltweit – unabhängig von ihrer Größe oder ihrem Budget – senkt.“
Umweltorganisationen wie der World Wildlife Fund (WWF) nutzen Open CEDA bereits in der Praxis. So kommt die Datenbank etwa in einer aktuellen Forschungsarbeit zum Einsatz, in der die Verteilung und Konzentration von Treibhausgasemissionen entlang globaler Lieferketten untersucht wird.
„Wir nutzen Open CEDA, um Strategien für verschiedene Branchen zu analysieren und weiterzuentwickeln“, sagt Martha Stevenson, Senior Director of Strategy and Research for Forests beim WWF-US. „Die Einbeziehung von Emissionen aus dem Landsektor sowie die geografische Auflösung sind entscheidend für die Entwicklung umfassender Ansätze zur Emissionsminderung. Die öffentliche Bereitstellung dieses Tools wird zu besseren Entscheidungen in Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen führen – und letztlich zu mehr wirksamem Handeln.“