Deutsche Unternehmen hängen am digitalen Tropf der US-amerikanischen Software-Anbieter und scheuen den Umstieg. Zu dieser Aussage kommt der von Myra Security veröffentlichte Report „State of Digital Sovereignty 2025“. Die Ergebnisse der Befragung von 1.500 IT-Entscheidern zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität deutscher Unternehmen im Bereich digitaler Souveränität.

Eine klare Mehrheit (84,4 %) fordert den Einsatz europäischer Lösungen im öffentlichen Sektor und in kritischen Infrastrukturen. In den eigenen IT-Landschaften dominiert aber weiterhin US-Software. Besonders ausgeprägt ist die Abhängigkeit bei Cloud-Services und Cybersicherheit: In beiden Bereichen sehen sich rund 40 % der Befragten im hohen Maße an außereuropäische Anbieter gebunden.

Europäische Alternativen werden nicht nur selten eingesetzt, sondern sind oft gänzlich unbekannt. Trotzdem überschätzen viele Unternehmen ihre eigene Unabhängigkeit.

  • 21,9 % geben an, europäische KI-Lösungen zu kennen.

  • Lediglich 10,2 % nutzen diese.

  • Mehr als die Hälfte (50,3 %) stuft trotzdem die Abhängigkeit in diesem Bereich als gering oder nicht existent ein.

In der Cybersicherheit zeigt sich ein ähnliches Bild. Bekannt sind europäische Angebote nur jedem Dritten. Lediglich 20,5 % nutzen sie. Fast die Hälfte (47,2 %) sieht aber nur eine schwache bis kaum vorhandene Abhängigkeit.

„Digitale Souveränität bedeutet, über Entscheidungsoptionen zu verfügen. Neben den internationalen Out-of-the-box-Lösungen sind dazu wettbewerbsfähige europäische Produkte erforderlich, die in bestimmten Bereichen bereits vorhanden sind. Gleichzeitig müssen wir internationale Digitalisierungstechnologien so absichern, dass sie für uns sicherer und insbesondere datensouverän nutzbar sind“, sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner.

Nur etwa ein Drittel der Unternehmen plant innerhalb der kommenden zwei Jahre einen Umstieg auf europäische Software. Fast die Hälfte (48 %) schließt den Wechsel aus. Um Entscheider zu einem Wechsel zu bewegen, müssen klare Anforderungen erfüllt sein:

  • Zwei Drittel würden auf europäische Anbieter umsteigen, wenn Leistung und Sicherheit vergleichbar sind.

  • Für 62,5 % der Befragten ist die garantierte Speicherung der Daten in der EU ein entscheidendes Kriterium für die zukünftige Nutzung europäischer Software.

„Regional statt Global ist das Credo unseres Jahrzehnts geworden“, beurteilt der wissenschaftliche Direktor des cyberintelligence.institute (CII), Dennis-Kenji Kipker, die Lage. „Dazu gehört auch, dass wir uns unsere leichtsinnig aufgegebene digitale Souveränität jetzt wieder zurückholen. Denn fehlende Digitalsouveränität macht Europas Wirtschaft und IT erpressbar – politisch, wirtschaftlich und technologisch.“

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