Hardware aus China, Cloud- und KI-Lösungen aus den USA, Chips aus Taiwan oder Industrieroboter aus Südkorea: Deutsche Unternehmen sind weiterhin stark abhängig von digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen, vor allem in die USA. 9 von 10 Unternehmen, die digitale Güter oder Leistungen importieren, sehen sich davon abhängig.

So ist die Abhängigkeit von den USA und China im Laufe dieses Jahres nochmals gestiegen: 51 % der deutschen Unternehmen sehen sich „stark abhängig“ von den Vereinigten Staaten – im Januar 2025 sagten dies noch 41 %. Und ebenfalls 51 % sehen sich „stark abhängig“ von China – ein Zuwachs um sieben Prozentpunkte gegenüber dem Jahresbeginn.

Die deutschen Unternehmen könnten nach eigenen Angaben derzeit lediglich 12 Monate überleben, sollten sie die Technologien oder Services nicht mehr aus den USA beziehen können – mit Blick auf China wären es sogar nur 11 Monate. 

Aktuell sehen 93 % der Unternehmen Deutschland stark abhängig (40 %) bzw. eher abhängig (53 %) von digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland. Nur 10 % gehen davon aus, dass sich diese Abhängigkeit in fünf Jahren verringert haben wird. Ein Viertel (24 %) rechnet mit einer Fortschreibung des Status quo, 63 % der Unternehmen rechnen mit einer Zunahme der Abhängigkeit.

Kaum ein Unternehmen kommt ohne Digitalimporte aus
Insgesamt kommt kaum ein Unternehmen in Deutschland ohne den Import digitaler Technologien und Leistungen aus (96 %). Ganz oben stehen Endgeräte wie Smartphones oder Notebooks, die 93 % der Unternehmen importieren. Digitale Bauteile bzw. Hardware-Komponenten wie Chips, Halbleiter oder Sensoren beziehen 74 %, Software-Anwendungen 72 % und Cybersicherheits-Anwendungen wie Firewalls 67 % aus dem Ausland.

Digitale Geräte und Maschinen, etwa für die Produktion, importieren 60 % der Unternehmen. Digitale Dienstleistungen wie Programmierung von Apps oder IT-Beratung beziehen 41 % von außerhalb Deutschlands. Ein sehr kleiner Anteil der Unternehmen (3 %) weiß teilweise nicht, ob und welche Technologien aus dem Ausland bezogen werden.

USA und China sind wichtigste Herkunftsländer
Die wichtigsten Herkunftsländer und -regionen sind die USA und China. 67 % importieren „häufig“ aus den USA, 23 % „in Einzelfällen“, so dass die Vereinigten Staaten für 9 von 10 Unternehmen, die digitale Technologien und Leistungen importieren, ein Handelspartner sind. 58 % importieren „häufig“ aus China, ein weiteres Viertel (25 %) „in Einzelfällen“.

Bedeutend aus dem asiatischen Raum ist außerdem Taiwan (21 % „häufig“/ 24 % „in Einzelfällen“). Von dem vergleichsweise kleinen Inselstaat sieht sich fast jedes zweite Unternehmen, das digitale Technologien oder Dienstleistungen importiert, abhängig (49 %, 26 % „stark abhängig“, 23 % „eher abhängig“).

Ein bedeutendes Bezugsland ist außerdem Japan: 12 % der Unternehmen importieren von dort „häufig“, 31 % „in Einzelfällen“. Auch Frankreich – Deutschlands Partner beim kommenden Gipfel in Berlin – ist für die hiesige Wirtschaft wichtig: Jedes zehnte Unternehmen (10 %) bezieht „häufig“ digitale Technologien und Leistungen aus dem Nachbarland und doppelt so viele (20 %) zumindest in Einzelfällen.

Das gleiche gilt für die übrige EU (16 % „häufig“/ 28 % „in Einzelfällen“) sowie das Vereinigte Königreich (11 % „häufig“/ 19 % „in Einzelfällen“). Nur ein % der befragten Unternehmen gibt im Übrigen Russland als Handelspartner an.

Das höchste Vertrauen in Frankreich, Japan und die EU
Das Vertrauen der deutschen Unternehmen in die einzelnen Länder fällt dabei höchst unterschiedlich aus. Zu den Spitzenreitern im Vertrauensranking zählen Frankreich (76 %), Japan (72 %) und die übrigen EU-Länder (68 %). Dahinter folgen UK (58 %), Indien (45 %) und Südkorea (40 %). Dabei haben 58 % mit Blick auf bestehende oder mögliche Geschäftsbeziehungen nur wenig oder kein Vertrauen in Südkorea, bei Indien trifft dies auf 53 % zu.

Die hinteren Plätze nehmen die USA und China ein. Noch etwas mehr als ein Drittel (38 %) hat Vertrauen in die Vereinigten Staaten – im Januar waren es noch 51 %. 60 % vertrauen den USA nur wenig oder gar nicht, bei China trifft dies auf 70 % zu. 26 % hegen hingegen Vertrauen in die Volksrepublik – Anfang 2025 lag der Wert ähnlich.

Der Vertrauensverlust in die USA hängt dabei messbar mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten vor einem Jahr zusammen. Für 33 % hat sich die Präsidentschaft von Trump bislang direkt oder auch indirekt „sehr negativ“ auf das eigene Unternehmen ausgewirkt, weitere 46 % sprechen von „eher negativen“ Auswirkungen. Bei 19 % gab es keine Auswirkungen, für kein einziges Unternehmen hat sich die Lage seither zum Besseren gewendet.

Fällt der Blick nicht auf das eigene Unternehmen, sondern auf Deutschland als Ganzes, bewerten die Unternehmen die USA gleichwohl mehrheitlich als verlässlichen Partner für die Bundesrepublik (52 %).

Deutsche fordern mehr Unabhängigkeit vom Ausland
In einer weiteren Studie hat Bitkom anlässlich des Gipfels für europäische digitale Souveränität die Sicht der deutschen Bevölkerung auf das Thema und das Verhältnis zu den USA und China ermittelt. Dazu wurden mehr als 1.100 Personen repräsentativ befragt. Auch hier sagt eine Mehrheit von 59 %, dass die USA ein verlässlicher Partner für Deutschland seien – mit Blick auf China nehmen dies 42 % an.

Gleichwohl ist die Abhängigkeit bei digitalen Technologien für eine überwiegende Mehrheit sehr präsent: 44 % der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger halten Deutschland für „sehr abhängig“ und 50 % für „eher abhängig“ vom Import aus dem Ausland. 98 % – und damit praktisch alle – halten es für wichtig, dass Deutschland bei wichtigen digitalen Technologien unabhängiger wird.

Die deutsche Wirtschaft blickt mit Sorge insbesondere in die USA. 99 % der Unternehmen sehen weitere finanzielle Belastungen durch Strafzölle oder Sanktionen als Risiko, 56 % fürchten Exportbeschränkungen und 49 % einen Austritt der USA aus internationalen Organisationen wie der NATO oder der WTO.

Die damit verbundenen ökonomischen Risiken werden von den Unternehmen gewichtiger eingeschätzt als digitale Risiken: Einen Zugangsverlust zu Software- und Plattformdiensten fürchtet jedes zweite Unternehmen (49 %), einen erzwungenen Abfluss sensibler Unternehmensdaten an US-Behörden 41 %. 37 % sorgen sich vor einem erschwerten Zugang zu Technologien wie Chips oder KI-Systemen. Einschränkungen bei Cloud-Services sehen nur 14 % als Gefahr. 

Hinweis zur Methodik
Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden zum einen 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 38 bis KW 43 2025 statt. Zum anderen wurden 1.156 Personen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum KW 39 bis KW 43 2025 statt. Die Umfragen sind repräsentativ.

Weitere Beiträge....

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.