Ob KI, Software, Messenger oder Smartphones: Viele digitale Angebote des Alltags kommen meist von Unternehmen außerhalb Europas. Eine aktuelle Befragung von Bitkom Research zeigt, dass die Deutschen den Aufbau eigener digitaler Kapazitäten und Angebote für dringend notwendig halten. 93 % halten Deutschland bei digitalen Technologien für abhängig von anderen Ländern.

79 % fordern, Deutschland solle stärker in digitale Schlüsseltechnologien investieren. Und so gut wie alle (99 %) finden es wichtig, dass Deutschland bei digitalen Technologien insgesamt unabhängiger wird. Befragt wurden 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren.

„Die Menschen in Deutschland wünschen sich, dass Europa bei digitalen Technologien unabhängiger wird. Dafür braucht es mehr Investitionen und weniger Regulierung. Mehr Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien durch die Unternehmen und einen Abbau der überbordenden Regulierung durch die Politik in Berlin und Brüssel“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

„Kritische Technologien, die nicht aus Deutschland oder Europa kommen, müssen auf jeden Fall unsere Anforderungen an Sicherheit und Souveränität in der praktischen Anwendung erfüllen. Klar ist auch: Wir brauchen Kooperationen mit internationalen Tech-Unternehmen auf Augenhöhe, im Alleingang lässt sich digitale Souveränität nicht erreichen. Aus Investitionen, maßvoller Regulierung und strategischen Partnerschaften entsteht mehr digitale Souveränität.“

Ein Drittel der Menschen in Deutschland (34 %) hat sich bereits bewusst für einen digitalen Dienst oder ein digitales Gerät aus Europa entschieden. Weitere 27 % haben sich darüber zumindest schon einmal Gedanken gemacht. 34 % sagen, dass sie darüber bislang noch nicht nachgedacht haben.

Zugleich werden die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Verantwortung gesehen: 87 % meinen, dass sich auch die Menschen anpassen müssen, wenn Deutschland digital unabhängiger werden soll. 62 % sind zudem der Ansicht, dass auch kurzfristige Nachteile in Kauf genommen werden sollten, wenn Deutschland bei der Digitalisierung dadurch unabhängiger würde. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, wo es in der Praxis häufig hakt: 55 % erscheint der Wechsel zu europäischen Anbietern oft zu aufwändig.

Nur in einzelnen Bereichen sind europäische Anwendungen und Technologien im Alltag der Menschen bereits angekommen. Die Befragung liefert dabei eine erste Orientierung, wo europäische Angebote aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher aktuell genutzt werden: 14 % sagen, sie nutzten bereits europäische soziale Netzwerke, 13 % eine europäische Suchmaschine oder einen europäischen Browser und 11 % einen europäischen Messenger.

6 % setzen auf europäische KI-Anwendungen oder Chatbots, 5 % auf Smartphones europäischer Anbieter. Wintergerst: „Das Interesse an europäischen Angeboten ist da. Europa muss digitale Technologien nicht nur entwickeln, sondern auch schneller skalieren und in die breite Anwendung bringen. Dafür braucht es eine innovationsfreundliche Regulierung, mehr Wachstumskapital und eine öffentliche Beschaffung, die auch jungen Unternehmen eine echte Chance gibt.“

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.004 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 9 bis KW 12 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ.

Die Fragestellungen lauteten: „Wie stark ist Deutschland Ihrer Meinung nach abhängig von anderen Ländern, was den Import solcher Technologien angeht?“, „Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Deutschland bei digitalen Technologien unabhängiger von anderen Ländern wird?“, „Haben Sie sich schon einmal bewusst für einen digitalen Dienst oder ein digitales Gerät aus Europa entschieden anstelle eines Gerätes oder eines Dienstes, der nicht aus Europa stammt?“, „Bei welchen der folgenden digitalen Geräte oder Dienste nutzen sie einen europäischen Anbieter oder können es sich vorstellen?“ und „Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie oder Ihrer Meinung nach zu?“

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