Deutschland verfügt über etablierte und regulierte Verfahren für die digitale Identitätsprüfung. Videoidentifikationsverfahren ermöglichen es insbesondere Banken, Fintechs und anderen regulierten Unternehmen, Personen bei digitalen Registrierungs- und Vertragsabschlussprozessen aus der Ferne zu identifizieren und dabei die Anforderungen des Geldwäschegesetzes sowie der BaFin zu erfüllen. 

Zugleich existiert mit der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises bereits ein staatliches eID-Verfahren, das von Bürgern für digitale Verwaltungsleistungen und geschäftliche Angelegenheiten genutzt werden kann.

Doch die Rahmenbedingungen verändern sich. Mit der „Anti-Money Laundering Regulation“ (AMLR), der neuen europäischen Geldwäscheverordnung, entsteht ab dem 10. Juli 2027 insbesondere für regulierte Branchen ein stärker harmonisierter Rahmen für Geldwäscheprävention und Kundensorgfaltspflichten.

Parallel dazu bauen die „European Digital Identity Wallets“, kurz EUDI-Wallets, eine neue europäische Infrastruktur für digitale Identitäten auf. Ab Ende 2026 sollen sie für öffentliche wie private digitale Dienste zur Verfügung stehen und es Nutzern ermöglichen, Identitätsdaten und weitere bestätigte Nachweise sicher digital zu verwalten und gezielt einzusetzen.

Identitätsbetrug macht den Handlungsbedarf sichtbar
Dass sich digitale Identitätsprozesse weiterentwickeln müssen, ist nicht allein regulatorisch begründet. Eine 2025 veröffentlichte Signicat-Studie zu Identitätsbetrug in Deutschland weist auf eine zunehmende Belastung hin: 65 Prozent der in Deutschland befragten Fachverantwortlichen berichteten von einem Anstieg der Identitätsbetrugsversuche innerhalb des vorangegangenen Jahres. 64 Prozent beobachteten zugleich eine Zunahme erfolgreicher Angriffe.

Die Erhebung liefert kein vollständiges Marktbild, zeigt aber eine relevante Entwicklung: Identitätsbetrug setzt nicht mehr nur bei der erstmaligen Identifizierung an. In der deutschen Auswertung spielten auch Login- und Transaktionsphasen eine zentrale Rolle. Social Engineering und die Übernahme bestehender Nutzerkonten gehörten zu den prägenden Angriffsmustern. Generative KI verschärft diese Situation zusätzlich, weil sie täuschend echte Angriffe schneller und in größerem Umfang möglich macht.

VideoIdent bleibt relevant – Identität wird zur Infrastruktur
AMLR und EUDI-Wallets bedeuten nicht, dass etablierte Verfahren wie VideoIdent kurzfristig verschwinden. Vielmehr entsteht ein flexibleres Identitätsökosystem, in dem Videoidentifikation, dokumenten- und biometriebasierte Prüfungen, elektronische Identitäten, qualifizierte elektronische Signaturen, starke Authentifizierung und künftig auch Wallet-basierte Nachweise abhängig von Risiko, Anwendungsfall und regulatorischem Kontext zusammenspielen.

Damit verändert sich auch die Rolle digitaler Identität: Es genügt nicht mehr, eine Person bei der Registrierung oder beim ersten Zugang zu einem Dienst sicher festzustellen. Vertrauen muss auch bei wiederkehrenden Zugriffen, Änderungen sensibler Daten und risikobehafteten Transaktionen überprüfbar bleiben. Für Organisationen eröffnet die EUDI-Wallet die Möglichkeit, verifizierte Identitätsdaten interoperabel zu nutzen und digitale Vorgänge zugleich sicherer und nutzerfreundlicher zu gestalten.

Digitale Souveränität braucht europäische Vertrauensdienste
Je stärker Identitätsprüfung, Authentifizierung und elektronische Signaturen zur kritischen Infrastruktur digitaler Dienste werden, desto wichtiger wird die Frage der digitalen Souveränität. Organisationen benötigen Lösungen, die auf europäische Regelwerke und Vertrauensdienste ausgerichtet sind, bestehende Identifikationsverfahren weiter unterstützen und zugleich neue europäische Identitätsmittel sicher integrieren können.

Als europäischer Anbieter digitaler Identitäts- und Vertrauensdienste unterstützt Signicat Organisationen dabei, etablierte Verfahren mit der entstehenden Wallet-Infrastruktur zu verbinden. Die Digital Identity Platform bündelt Identitätsprüfung, Authentifizierung, elektronische Signaturen und die Orchestrierung der dazugehörigen Prozesse.

Über den eID- and Wallet-Hub können Organisationen mit einer zentralen Integration 35 europäische elektronische Identitätssysteme für sichere Anmeldung, Identitätsprüfung sowie elektronische Signaturen nutzen und künftig auch EUDI-Wallets einbinden. Zudem ist Signicat nach eIDAS als „Qualified Trust Service Provider“ anerkannt.

Für Deutschland bietet sich damit die Chance, vorhandene Verfahren und die staatliche eID in ein interoperables europäisches Identitätsökosystem einzubinden. Entscheidend wird sein, ob Organisationen digitale Identität künftig nicht nur als Compliance-Anforderung, sondern als Bestandteil ihrer Sicherheitsinfrastruktur verstehen – und ihre Prozesse frühzeitig auf ein vertrauenswürdiges und digital souveränes europäisches Umfeld ausrichten.

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