TrendAI, ein Geschäftsbereich von Trend Micro, veröffentlicht neue Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Unternehmen weltweit den Einsatz von künstlicher Intelligenz vorantreiben, obwohl bekannte Sicherheits- und Compliance-Risiken bestehen. Jeder sechste Entscheider in Deutschland stuft die Besorgnis als „extrem“ ein – und wurde dennoch zugunsten von Wettbewerbsdruck und internen Forderungen übergangen.
Eine neue globale Befragung von 3.700 Business- und IT-Entscheidern, davon 200 in Deutschland, ergab, dass 70 % der Entscheider in Deutschland (67 % weltweit) bereits unter Druck standen, KI-Projekte trotz Sicherheitsbedenken zu genehmigen. 17 % von ihnen (14 % global) bezeichneten diese Bedenken sogar als „extrem“, wurden aber dennoch übergangen, um mit Wettbewerbern und internen Anforderungen Schritt zu halten.
Der Druck zu einer schnellen KI-Einführung wird außerdem durch uneinheitliche Governance-Strukturen und unklare Verantwortlichkeiten für KI-Risiken verstärkt. Cybersecurity-Verantwortliche können häufig nur noch auf Entscheidungen zur KI-Einführung reagieren, die von der Unternehmensführung getroffen werden. Das führt oftmals zu Behelfslösungen und einer verstärkten Nutzung nicht genehmigter, sogenannter „Schatten-KI“-Tools.
KI-Einführung überholt Sicherheitsmaßnahmen
Unternehmen implementieren KI schneller, als sie die damit verbundenen Risiken verwalten können. Dadurch entsteht eine wachsende Lücke zwischen Ambitionen und Kontrolle. 56 % der deutschen Befragten (57 % weltweit) geben an, dass sich KI schneller entwickelt, als sie sie absichern können.
Gleichzeitig äußern 46 % (64 % weltweit), dass sie nur geringes bis mittleres Vertrauen in ihre Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI im Unternehmen haben.
Auch die Reife von Governance-Strukturen bleibt niedrig. Nur 41 % der deutschen Unternehmen verfügen bereits über umfassende KI-Richtlinien; 56 % befinden sich noch in der Ausarbeitung entsprechender Vorgaben oder haben gerade erst damit begonnen.
Rund ein Drittel der deutschen Befragten nennt zudem unklare regulatorische oder Compliance-Anforderungen als Hindernis für eine sichere KI-Nutzung. In der Praxis bedeutet dies, dass KI bereits im operativen Geschäft ausgerollt wird, bevor die Regeln für ihren Einsatz vollständig festgelegt sind.
„Unternehmen fehlt es nicht am Bewusstsein für Risiken, sondern an den Voraussetzungen, um diese wirksam zu managen. Wenn die Einführung von KI eher durch Wettbewerbsdruck als durch reife Governance-Strukturen getrieben wird, entsteht eine Situation, in der KI in kritische Systeme integriert wird, ohne dass die notwendigen Kontrollen vorhanden sind“, sagt Richard Werner, Security Advisor bei TrendAI.
Vertrauen in autonome KI bleibt begrenzt
Das Vertrauen in fortschrittliche, autonome KI-Systeme befindet sich weiterhin in einer Reifungsphase. Lediglich 36 % der deutschen Entscheider sind der Ansicht, dass agentische KI die Cyberabwehr kurzfristig deutlich verbessern wird. Damit sind die Deutschen skeptischer als die weltweiten Befragten, von denen immerhin 44 % diese Hoffnung hegen.
Zudem bestehen weiterhin Bedenken beim KI-Einsatz: Mehr als ein Drittel der Befragten hierzulande (36 %) sehen den Zugriff von KI-Agenten auf sensible Daten als größtes Risiko. 39 % von ihnen warnen davor, dass manipulierte Prompts die Sicherheit gefährden könnten, während ein Viertel (26 %) eine zusätzliche Angriffsfläche für Cyberkriminelle sieht.
Ein ähnlich großer Anteil (28 %) befürchtet den Missbrauch des Vertrauensstatus von KI-Systemen sowie Risiken durch autonome Codebereitstellung (25 %).
Gleichzeitig gibt knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen (31 %) an, dass ihnen die notwendige Transparenz oder Auditierbarkeit dieser Systeme fehlt. Das wirft grundlegende Fragen darüber auf, wie Unternehmen eingreifen oder Kontrolle ausüben können, sobald autonome Agenten im Einsatz sind.
35 % der deutschen Befragten unterstützen die Einführung von „Kill-Switch“-Mechanismen für KI, mit denen Systeme im Fall von Fehlfunktionen oder Missbrauch abgeschaltet werden können. Etwa die Hälfte (49 %) ist sich hierzu noch unsicher. Hier zeigt sich ein grundlegendes Problem: Unternehmen bewegen sich in Richtung autonomer KI, ohne sich darüber einig zu sein, wie Kontrolle in kritischen Situationen gewährleistet werden soll.
Über die Studie
TrendAI beauftragte SAPIO Research mit der Befragung von 3.700 IT- und Business-Entscheidern in 23 Ländern, die in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden tätig sind. An der Befragung im Februar 2026 nahmen 200 Geschäfts- und IT-Entscheider aus Deutschland sowie je 100 aus Österreich und der Schweiz teil.