In kaum einen anderen Bereich der IT fließt derzeit so viel Geld wie in Künstliche Intelligenz. Gleichzeitig fehlt es kaum irgendwo so sehr an Transparenz und Governance. Der aktuelle State of ITAM Report 2026 von Flexera zeigt: Die Diskrepanz zwischen dem wachsenden Einsatz von KI und der Fähigkeit von Unternehmen, diese effektiv zu steuern, wächst. Das führt nicht nur zu Reibungen im IT-Management, sondern verursacht auch erhebliche Kosten.

Trotz KI-Kostenkrise verbucht rund die Hälfte der befragten Unternehmen ihre KI-Ausgaben aktuell als Teil bestehender Softwarebudgets statt sie separat auszuweisen. Das erschwert zwangsläufig die Transparenz über Wirkung und ROI von KI. Zwar geben 48 % an, KI-Nutzung zu verfolgen und Verträge entsprechend anzupassen. Geht es jedoch um echte Transparenz, kann nicht einmal ein Drittel der ITAM-Teams (31 %) auf belastbare Daten zurückgreifen.

Teuer ist laut Report nicht allein der Einsatz von KI. Hohe Kosten entstehen auch dort, wo Unternehmen für KI bezahlen, die keinen entsprechenden Nutzen liefert. Mehr als die Hälfte (59 %) der IT-Verantwortlichen berichten von jährlich steigenden „unnötigen“ KI-Ausgaben. Darunter fallen zum Beispiel ungenutzte Lizenzen für KI-Tools, überdimensionierte Modelle oder versandete Pilotprojekte.

Ein zentrales Problem: KI passt in keine einzelne Technologiekategorie mehr. Sie zieht sich durch bestehende Bereiche wie Cloud, SaaS, Rechenzentren und Endgeräte und schafft zugleich neue Ebenen, etwa Modelle, Agenten, Daten und Plattformen, die jeweils einer eigenen wirtschaftlichen Logik folgen. Die Umfrageergebnisse aus dem Flexera-Report spiegeln diesen tiefgreifenden Wandel in der Unternehmens-IT wider. Die vollständige Sichtbarkeit über IT-Assets ist auf 36 % gesunken.

Audits treffen fast jedes zweite Unternehmen
Druck kommt nicht nur aus der eigenen IT-Umgebung, sondern auch von den Anbietern. Zwar zählt Kostenoptimierung mit 32 % nach wie vor zu den wichtigsten und zeitintensivsten Aufgaben der ITAM-Teams. Aber schon an zweiter Stelle stehen Audits: Unternehmen schätzen, dass fast ein Viertel (22 %) der Arbeitszeit in interne wie externe Prüfungen fließt.

Fast die Hälfte der Unternehmen (48 %) wurde im vergangenen Jahr von einem externen Softwareanbieter auditiert. Dabei dominieren vor allem zwei Anbieter: In 64 % der betroffenen Unternehmen kam Microsoft zu Besuch. Die Hälfte (50 %) berichtete zudem von einem Audit durch Oracle. In Europa standen neben Microsoft vor allem Audit-Besuche von SAP an (43 %).

Damit setzt sich die hohe Audit-Aktivität der vergangenen drei Jahre fort. Microsoft bleibt dabei klar an der Spitze und hat seine Audit-Prüfungen im Jahresvergleich um 14 %punkte erhöht. Deutlich Bewegung gab es auch bei Oracle: Der Anbieter schaffte mit einem Anstieg von 24 auf 38 % den Sprung in die Top Drei. Adobe und VMware legten ebenfalls zu, um 8 beziehungsweise 9 %punkte.

Die finanziellen Folgen sind erheblich: 44 % der Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren mehr als eine Million US-Dollar für Software-Audits ausgegeben. Die Zahlen lassen aufhorchen – auch weil Audits damit die Prioritäten, die Ressourcenplanung und die Optimierungsstrategien von ITAM-Teams künftig stärker mitbestimmen dürften.

„KI verändert die wirtschaftliche Logik der IT schneller, als viele Unternehmen ihre Steuerung darauf ausrichten können“, erklärt Becky Trevino, Chief Product Officer bei Flexera. „Wir sehen ein bekanntes Muster: erst die schnelle Einführung, dann der Versuch, Transparenz und Kontrolle nachzuziehen. Wer KI beherrschbar machen will, muss sie in die Governance- und Optimierungsstrukturen integrieren, die für On-Premises, SaaS und Cloud längst etabliert sind.“

Über den Report:
Für den State of ITAM Report befragte Flexera insgesamt 512 qualifizierte Teilnehmer mit Erfahrung im Software Asset Management. Die Mehrheit der Teilnehmer stammt aus Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden. Die Umfrage richtete sich verstärkt an große Unternehmen und Konzerne.

93 % der befragten Organisationen beschäftigen mindestens 2.000 Mitarbeitende, 16 % beschäftigen 50.000 oder mehr Mitarbeiter. Mehr als die Hälfte (54 %) der Befragten kommen aus den USA, ein Drittel aus Europa (u.a. Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien).

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