Regulierte Daten verursachen 56 % aller KI-bezogenen Verstöße gegen unternehmensinterne Datenrichtlinien im Handel. Das zeigt der Netskope Threat Labs Report "Einzelhandel 2026". Dazu zählen personenbezogene Daten und Zahlungsdaten. Quellcode folgt mit 20 %. Passwörter und API-Schlüssel machen 16 % aus, geistiges Eigentum weitere 8 %. Die Zahl trifft auf eine Branche, in der KI längst im Hintergrund mitläuft.
In der EU berührt das zwei Regelwerke. Für personenbezogene Daten in KI-Systemen gilt die DSGVO. Seit dem 2. August 2026 gelten zusätzlich die Transparenzpflichten nach Artikel 50 der EU-KI-Verordnung. Welche Pflichten ein Unternehmen konkret treffen, hängt davon ab, ob es ein KI-System anbietet oder nur einsetzt.
Der Fortschritt bei Schatten-KI stockt
Der Handel hat die KI in den vergangenen zwölf Monaten sichtbar unter unternehmenseigene Kontrolle gebracht. Die Nutzung privater KI-Konten sank von 70 auf 44 %. Der Anteil unternehmensseitig verwalteter KI stieg von 40 auf 73 %. Seit dem Frühjahr 2026 kommt diese Verlagerung jedoch weitgehend zum Stillstand.
Gleichzeitig wechseln immer mehr Nutzer zwischen beiden Welten hin und her. Ihr Anteil stieg von 11 auf 18 %. Schatten-KI lässt sich offenbar ab einem gewissen Reifegrad nicht weiter zurückdrängen. Wer die letzten %punkte holen will, braucht dauerhafte Leitplanken und schnelle Freigabeprozesse für neue Werkzeuge.
KI-Agenten öffnen neue Datenwege
Parallel verändert sich, wie KI mit Geschäftssystemen kommuniziert. Die Zahl der Agenten, die entfernte MCP-Server ansteuern, wuchs im Erhebungszeitraum um rund 400 %. Die MCP-bezogenen Ereignisse nahmen um etwa 300 % zu. MCP ist der offene Standard, über den KI-Modelle externe Datenquellen und Werkzeuge anbinden.
Entscheidend ist das Wort „entfernt". Die Agenten verbinden sich mit Servern im Internet, nicht mit Systemen im eigenen Netz. Jede dieser Verbindungen schafft einen zusätzlichen Pfad, auf dem Daten das Unternehmen verlassen können. Sicherheitsverantwortliche müssen deshalb künftig zwei Fragen beantworten. Welche KI-Anwendungen sind im Einsatz? Und auf welche Daten und Werkzeuge greifen die zugehörigen Agenten zu?
Die Verteilung der KI-bezogenen Alarme zeigt, wo das Risiko heute konkret liegt. Auf 10.000 Alarme entfallen 8.583 (86 %) auf Verstöße beim Dateneingang in KI-Werkzeuge und 947 betreffen die Ausgaben der KI. Der Schwerpunkt liegt damit klar auf dem Weg in die Modelle hinein.
Angreifer nutzen vertraute Plattformen
Auf der Bedrohungsseite verschiebt sich der Weg ins Unternehmen. Angreifer verteilen Schadsoftware über Dienste, die Beschäftigte und Sicherheitsteams ohnehin erwarten. GitHub war im Erhebungszeitraum bei 13 % der Handelsunternehmen betroffen, Microsoft OneDrive bei 12 %. Google Drive folgt mit 5,3 %.
Hinzu kommt eine neue Angriffsfläche. Angreifer versuchen gezielt zu beeinflussen, welche Inhalte KI-Modelle ausspielen. Netskope beschreibt das als Artificial Intelligence Engine Optimization, kurz AIEO. Die Methode ähnelt der klassischen Suchmaschinen-Manipulation. Der Unterschied liegt im Vertrauensvorschuss, den Nutzer einer KI-Antwort entgegenbringen.
Wie vorsichtig der Handel inzwischen agiert, zeigt die Liste der gesperrten Anwendungen. 46 % der Unternehmen sperren Particular Audience, eine KI-Plattform für Suche und Personalisierung im Handel. ZeroGPT folgt mit 37 %. Landbot und DeepSeek sperren jeweils 34 %.
„Der Handel experimentiert nicht mehr nur mit KI. Er verankert sie in Alltagsprozessen, im Kundenerlebnis und in Geschäftsabläufen. Je enger KI mit den Daten und Systemen des Handels verbunden ist, desto schwerer lassen sich Risiken und Chancen voneinander trennen", erklärt Gianpietro Cutolo, Cloud Threat Researcher bei Netskope.
„Die Frage lautet nicht mehr, ob Unternehmen KI einsetzen. Sie lautet, wie sie KI im Tempo des Geschäfts einsetzen, ohne die Kontrolle über sensible Kunden- und Unternehmensdaten zu verlieren. Wer schnelle KI-Einführung mit Transparenz und Governance verbindet, macht KI zum Wettbewerbsvorteil, ohne unnötige Risiken einzugehen."
Über den Report
Die Angaben beruhen auf aggregierten Nutzungsdaten der Netskope-One-Plattform. Erfasst wurde eine Teilmenge der Netskope-Kunden aus dem Handel. Der Erhebungszeitraum reicht vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juli 2026. Die Werte spiegeln Angreifertaktiken, Nutzerverhalten und Unternehmensrichtlinien wider.