Ontinue hat seinen aktuellen Threat Intelligence Report für das zweite Halbjahr 2024 veröffentlicht. Wie zu erwarten war, sind Ransomware-Attacken nach wie vor eines der beliebtesten Mittel von Hacker-Kollektiven und Cyberkriminellen. Ein beunruhigender Trend ist, dass die Hacker-Gruppen immer weniger auf reine Programmierkenntnisse setzen, sondern neuerdings vermehrt auf allgemeine IT-Skills.
Insgesamt sind Ransomware-Attacken im letzten Halbjahr um 132 % gestiegen, allerdings sind die Lösegeldzahlungen im Jahr 2024 um 35 % gefallen. Während 2023 noch 1,25 Milliarden US-Dollar in die Taschen von Cyberkriminellen flossen, um verschlüsselte Daten wieder freizukaufen, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 814 Millionen US-Dollar.
Der Grund dafür liegt in besseren Backup-Strategien und Incident-Response-Plänen, allerdings auch in neuen Regularien, die Zahlungen zunehmend verbieten. Das alles führt zu einem Umdenken bei Hacker-Gruppen, die ihre Taktik nun anpassen: Anstatt die Daten lediglich zu verschlüsseln, stehlen sie diese und drohen, sie öffentlich zu machen, um Unternehmen zur Zahlung zu zwingen.
Vishing auf dem Vormarsch
Der aktuelle Threat Intelligence Report von Ontinue enthüllt auch eine zunehmende Raffinesse beim Voice Phishing. Das sogenannte Vishing hat durch die immer leistungsfähigeren GenAI-Modelle, die Stimmen täuschend echt klonen können, ein neues Bedrohungslevel erreicht. Hacker verwenden die KI-Modelle, um realistische, aber eben gefälschte Deepfakes von Stimmen vertrauenswürdiger Personen zu erstellen.
Damit ausgestattet, rufen sie ausgewählte Opfer an, fragen nach Anmeldedaten und bringen sie dazu, betrügerische Transaktionen zu genehmigen oder unautorisierten Zugriff zu Systemen zu gewähren. Allein im ersten Quartal 2024 verzeichnete das ATO-Team von Ontinue einen Anstieg der Vorfälle, die im Zusammenhang mit Vishing stehen, um gigantische 1633 % im Vergleich zum vorherigen Quartal.
Die aktuellen Vishing-Kampagnen verdeutlichen, wie Social Engineering in Kombination mit KI-basierten Deepfakes zu einer immer effektiveren Methode für Cyberkriminelle wird, um an sensible Daten zu kommen oder Zugang zu geschützten Systemen zu erhalten. Ontinue prognostiziert, dass Vishing auch im Jahr 2025 und darüber hinaus eine zunehmende Bedrohung darstellen wird.
Vorsicht ist auch bei legitimen Tools geboten
Cyberkriminelle nutzen zunehmend legitime Tools wie Microsoft Quick Assist, eine Remote-Support-Software, und den Anmeldeassistenten Windows Hello für ihre Vishing-Angriffe. Durch den Einsatz von Social-Engineering-Taktiken geben sich Hacker z.B. als legitime Support-Mitarbeiter aus und verwenden das fest im Betriebssystem integrierte Microsoft Quick Assist, um herkömmliche Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen.
Auch beim Surfen im Internet bleibt Vorsicht geboten, wie die Untersuchungen zeigen. So kursieren immer mehr bösartige Browser-Erweiterungen, insbesondere für Google Chrome, die Malware zum Datenklau enthalten. Diese Bedrohungen sind besonders gefährlich, da sie selbst nach einer Neuinstallation des Systems bestehen bleiben können. Sie nisten sich in die von Google gespeicherten Browser-Profile der Nutzer ein.
Wenn Nutzer ihren Browser neu installieren und die Voreinstellungen importieren, gelangt die Schadsoftware erneut auf den Rechner. Überdies sind Malvertising-Kampagnen, die User anweisen, bösartige PowerShell-Befehle zu kopieren und auszuführen, nach wie vor akut. Wer im Internet surft, sollte daher niemals Coding-Befehle einfach im „Ausführen“-Fenster eintragen und durchführen – auch wenn die Seite, von der sie stammen, noch so legitim aussieht.
„Cyberkriminelle beweisen einmal mehr ihre Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit – von KI-basierten Täuschungsmanövern über neuartige Taktiken, Malware zu verbreiten, bis hin zu einfallsreichen Social-Engineering-Methoden“, warnt Thierry Aubry, Head of Sales DACH & Nordics bei Ontinue.
„Unser aktueller Threat Intelligence Report unterstreicht die dringende Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Cyberverteidigung gegen ausgeklügelte Phishing-, Vishing- und Malware-Attacken auszubauen. Auch ihre Schutzmaßnahmen gegen Ransomware und Datendiebstahl müssen sie erweitern. Wichtig bleibt allerdings die Sensibilisierung der Angestellten und Mitarbeitenden.“