Laut der FortiGuard Labs Threat Predictions 2026 zeichnet sich im kommenden Jahr eine Cyber-Bedrohungslandschaft ab, die stärker denn je von Geschwindigkeit, Automatisierung und industriellen Strukturen geprägt ist. Cybercrime entwickelt sich zu einem arbeitsteiligen Ökosystem, in dem KI-gestützte Agenten, optimierte Angriffspipelines und professionelle Untergrundmärkte die operative Schlagkraft der Angreifer erheblich verstärken.

Die wichtigsten Trends für 2026 sind:

1. Autonome KI-Angriffsagenten erweitern die Angriffskapazitäten massiv
Angreifer setzen zunehmend auf spezialisierte KI-Agenten, die ganze Teilprozesse der Angriffskette eigenständig ausführen. Dazu gehören beispielsweise Credential Theft, interne Reconnaissance oder laterale Bewegung. Dadurch entstehen Skaleneffekte, die es selbst wenig erfahrenen Akteuren ermöglichen, komplexe Kampagnen parallel und nahezu ohne menschliche Steuerung durchzuführen. Dies steigert die operative Schlagkraft von Cyberkriminellen enorm: Während früher nur eine Kampagne lief, können künftig Dutzende automatisiert parallel orchestriert werden.

2. Effizienz statt Innovation: Angriffe werden schneller, präziser und stärker automatisiert
Die Weiterentwicklung von Angriffen zielt eindeutig auf eine Effizienzsteigerung ab. Automatisierte Reconnaissance, KI-generierte Skripte und standardisierte Angriffspipelines verkürzen den Zeitraum vom Erstzugriff bis zur Monetarisierung auf wenige Minuten. Zudem rückt GenAI ins Zentrum der Post-Compromise-Phase: Sobald Angreifer Zugriff auf umfangreiche Datensätze erhalten – sei es durch Infiltration oder den Kauf im Darknet –, analysieren KI-Tools diese binnen kürzester Zeit, korrelieren relevante Informationen und identifizieren die wertvollsten Ziele für Erpressung oder Weiterverkauf.

3. Crime-as-a-Service erreicht „industrielle Reife“
Cybercrime tritt in eine neue „industrielle Phase“ ein, die von Automatisierung, Spezialisierung und eng verzahnten Dienstleistungsstrukturen geprägt ist. Dark-Web-Marktplätze professionalisieren sich weiter und ähneln zunehmend legitimen E-Commerce-Plattformen – inklusive KI-gestützter Kunden- und Reputationssysteme sowie standardisierter Angebote. Auch die traditionelle organisierte Kriminalität dringt stärker in dieses Ökosystem vor, beispielsweise durch die Rekrutierung von Insidern, den Aufbau stabiler Geldwäscheketten und die Integration klassischer Deliktsbereiche in digitale Geschäftsmodelle.

4. Kritische Infrastruktur rückt stärker ins Visier
Angreifer richten ihren Fokus zunehmend auf hochrelevante Sektoren wie die Fertigung, das Gesundheitswesen, die Energieversorgung und komplexe Lieferketten. Das Ransomware-as-a-Service-Modell breitet sich weiterhin in OT-Umgebungen aus. Dort verbinden sich Datendiebstahl, Erpressung und Betriebsstörungen inzwischen zu einem einheitlichen Angriffsszenario. Parallel dazu übernehmen kriminelle Gruppen zunehmend destruktive Techniken wie Firmware-Manipulation, Geräte-Bricking oder die Kompromittierung von IoT-Systemen, um den Erpressungsdruck zu maximieren.

5. Verteidigung muss auf Maschinengeschwindigkeit umstellen
Das Jahr 2026 markiert den Übergang zu einer industrialisierten Form der Cyberkriminalität, bei der der Erfolg vor allem von Geschwindigkeit und Skalierung abhängt. Da Angriffe zunehmend automatisiert und parallel orchestriert werden, müssen Security-Teams ihre Architektur konsequent an das Tempo von Maschinen anpassen. Anstelle punktueller Sicherheitsprüfungen rückt kontinuierliches Exposure Management in den Mittelpunkt. Ebenso wird eine identitätszentrierte Sicherheitssteuerung unerlässlich – für Menschen ebenso wie für Maschinen, automatisierte Agenten und KI-Prozesse.

„Im Jahr 2026 entsteht Cybersecurity nicht durch die Anschaffung weiterer Tools, sondern durch die Fähigkeit, Bedrohungsinformationen nahezu in Echtzeit in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Für Unternehmen bedeutet das, ihre Sicherheitsstrategien als kontinuierlichen, datengetriebenen und adaptiven Prozess zu gestalten. Nur wer Bedrohungsinformationen, Automatisierung und menschliche Expertise in einem integrierten System vereint, ist optimal gerüstet, um der Dynamik industrieller Cyberangriffe standzuhalten“, sagt Thorsten Henning, Regional Director Systems Engineering & Business Development DACH bei Fortinet.

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