Seit vielen Jahren lautet die Standardempfehlung für mehr Sicherheit im Internet: URL prüfen, auf das Schloss-Symbol achten, verdächtigen Domains nicht vertrauen. Neue Forschungsergebnisse von TrendAI zeigen, wie Angreifer genau diese Grundprinzipien aushebeln.
Über einen Zeitraum von sieben Wochen schalteten Cyberkriminelle Google-Anzeigen für Suchanfragen nach populären KI-Tools wie Claude, ChatGPT und Cursor. Wer auf die Anzeigen klickte, landete nicht auf einer gefälschten Website oder einer täuschend echten Phishing-Seite, sondern auf einer legitimen Seite von Claude.ai.
Die Angreifer missbrauchten die Sharing-Funktion von Anthropic, um gefälschte „Support“-Anweisungen zu platzieren, die Nutzer dazu verleiteten, einen einzelnen Terminal-Befehl auszuführen. Dieser installierte unbemerkt Malware, die Passwörter, Browser-Daten und Krypto-Wallets stehlen konnte.
Keine gefälschten Domains. Keine Phishing-Seiten. Der gesamte Angriff spielte sich auf legitimer Infrastruktur ab. Dadurch gab es für viele der Sicherheitsmechanismen, auf die Unternehmen normalerweise vertrauen, keine offensichtlichen Warnsignale. Die Kampagne richtete sich gezielt an technisch versierte Nutzer – also genau jene Zielgruppe, die gemeinhin als weniger anfällig für Social Engineering gilt.
TrendAI dokumentierte sechs unterschiedliche Angriffswellen und mehr als 100 bösartige Hostnamen. Besonders stark betroffen war die Region Asien-Pazifik; allein Taiwan machte nahezu ein Drittel des gesamten Opfer-Traffics aus. Nachdem TrendAI die Erkenntnisse an Anthropic gemeldet hatte, wurden die schädlichen Inhalte entfernt.
Ryan Flores, Director of Technology Research, Forward-Looking Threat Research bei TrendAI sagt dazu: „Jede KI-Plattform mit einer Sharing- oder Publishing-Funktion sollte sich diesen Fall genau ansehen. Die Angreifer testeten über sieben Wochen sechs verschiedene Marken-Köder, analysierten, was funktionierte, und optimierten ihren Ansatz in Echtzeit. Das war kein Einzelfall. Es war ein Optimierungszyklus und das Angriffsrezept hat sich nun als wirksam erwiesen.“