Okta Threat Intelligence (OTI) warnt vor einer massiven Zunahme von Cyber-Kriminalität im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Da die Nachfrage nach leistungsstarken Frontier-Modellen steigt und die Token-Kosten zunehmen, hat sich ein lukrativer Schwarzmarkt gebildet. Angreifer umgehen herkömmliche Sicherheitsmaßnahmen, um gestohlene KI-Zugänge mit Rabatten von 70 bis 90 % gegenüber den regulären Abo-Preisen zu verkaufen.

Für betroffene Unternehmen entstehen dadurch immense Schäden, was sich in einem dokumentierten Fall in einer Rechnung für nicht autorisierte KI-Nutzung in Höhe von fast einer Million US-Dollar (859 210 Euro, 09.09.2026) äußerte.

Account Takeover durch Infostealer und Token-Hijacking
Die Analysen von OTI decken dabei zwei primäre Angriffsschemata auf, von denen eines die Übernahme bestehender KI-Konten mittels Infostealer-Malware und Token-Hijacking ist. Hacker benötigen für diesen Account Takeover keine klassischen Passwörter, sondern stehlen Session-Tokens und API-Keys direkt aus den Browsern der Opfer.

Durch das anschließende Einspielen dieser gestohlenen Session-Tokens über spezielle Anti-Detect-Browser und Proxy-Netzwerke können Cyber-Kriminelle den Login-Bildschirm sowie die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) vollständig umgehen.

Wie groß das Ausmaß dieses Problems ist, zeigte die Auswertung eines sieben Gigabyte großen Infostealer-Daten-Dumps vom 2. August 2026, der Logs von 5871 infizierten Rechnern aus 162 Ländern enthielt. Dabei wurden Tausende gültige Session-Tokens für große Tech- und KI-Anbieter, wie Google, Microsoft, Anthropic und Amazon, gefunden.

Zudem erbeuteten die Angreifer Tausende JSON Web Tokens (JWTs), von denen fast 18 % unverschlüsselte, personenbezogene Daten, wie Namen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen, enthielten. Diese Datenlage bietet den Internet-Räubern eine ideale Ausgangsbasis für künftige Phishing- und Social-Engineering-Angriffe.

Skalierter Missbrauch von Start-up-Credits und Promo-Angeboten
Neben dem direkten Diebstahl aktiver Konten finanzieren Cyber-Kriminelle ihre Geschäftsmodelle durch die automatisierte und missbräuchliche Nutzung von Promo-Angeboten. Auf dem Graumarkt bewerben Dienste wie ‘Poison Claude’ oder ‘Ecomagent.in’ unlimitierte Token zu Bruchteilen des offiziellen Preises.

Im Hintergrund horten diese Anbieter massenhaft Start-up-Credits von Cloud-Providern, indem sie mittels Bot-Netzwerken in großem Stil falsche Konten registrieren. Zur Einordnung: Google bietet bis zu 350 000 US-Dollar und Anthropic bis zu 100 000 US-Dollar in kostenlosen Credits für Start-ups an.

In einem weiteren Fall verzeichnete OTI bei einem KI-Video-Anbieter innerhalb eines Monats über 105 000 Brute-Force-Registrierungsversuche von lediglich 251 IP-Adressen. Da hierbei häufig Wegwerf-E-Mail-Domains sowie populäre chinesische E-Mail-Dienste genutzt wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass auf diese Weise auch Nutzer aus China regionale und durch nationale Sicherheitsbedenken begründete Sperren für US-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini umgehen.

Handlungsempfehlungen für Security Teams
Um diesem wachsenden Sicherheitsrisiko zu begegnen, empfiehlt OTI den betroffenen Security Teams eine Reihe gezielter Abwehrmaßnahmen. Ein zentraler Baustein ist das kontinuierliche Session Monitoring durch spezielle Lösungen, die Sitzungen fortlaufend auf Kontextänderungen untersuchen und bei Token-Wiederverwendung Alarm schlagen.

Dies sollte idealerweise durch Universal-Logout-Funktionen ergänzt werden, um kompromittierte Sitzungen sofort und applikationsübergreifend beenden zu können. Zudem sollten API-Keys strikt limitiert und durch IP-Allowlisting eingeschränkt werden, sodass gestohlene Tokens außerhalb der bekannten Unternehmensnetzwerke nutzlos bleiben.

Schließlich muss der Aufwand für die Erstellung gefälschter Konten durch den Einsatz gegen Phishing resistenter Credentials, wie beispielsweise Passkeys, deutlich erhöht werden. Der entscheidende Vorteil von Passkeys liegt in ihrer Architektur, da sie weder durch Farming gestohlen noch geteilt oder in großen Mengen automatisiert bereitgestellt werden können.

„Diese Sicherheitsforschung unterstreicht unsere firmenweite Annahme, dass die Zukunft der Cyber-Sicherheit zu einem großen Teil aus der Identitätssicherheit bestehen wird, denn je mehr KI-Modelle und KI-Agenten ausgerollt und eingesetzt werden, desto wichtiger wird es, den Zugriff zu verwalten - sowohl die Zugriffsrechte der Nutzer hin zu den Modellen, als auch jene der Modelle selbst“, erklärt Arkadiusz Krowczynski, Principal Prodcut Acceleration Specialist bei Okta.

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